Welt im Umbruch oder Absturz?

Sonntag, 22. November 2020

Die Wahl in Amerika war ein richtig nervenkitzelnder Thriller.
Leider war von vorne herein klar, dass der Orangeman (Trump) seinem Namen gerecht werdend versucht Trümpfe auszuspielen und keiner weiß wie "schlau" er das anstellt. Noch nie hat die Welt so fieberhaft einer Einzelwahl zugeschaut. Das sollte uns zu Denken geben. Die USA sind eine Weltmacht und viele haben sich an ihren Tropf gehängt. Das war bequem. Leider muss irgendwann eine Rechnung beglichen werden. - und sei es nur sich zu emanzipieren...
Trotzdem hat erst einmal die sonnige Seite Amerikas gewonnen.

Gerne sehen wir die "Amis" immer noch durch die Brille der schokoladenschenkenden GIs. Das ist lange her und mittlerweile erkennen wir, dass dieses "Land of the Free" in Schieflage gerät. Das passiert, weil viel von dem, was in den USA und auch in Großbrittanien politische Kultur ist nicht niedergeschrieben wurde, sondern "sich so gehört". Wenn einem Agitator das alles aber egal ist, wird es schwierig. Ein Wahlsystem, das aus Zeiten stammt in denen man nur mit der Pferdekutsche Distanzen überwandt und es kein Internet gab ist hochgradig antiquiert.

Der moderne Zeitgeist betont gerne das EGO, den Ellenbogen. Menschlichkeit, Rücksichtnahme, Sportsgeist werden als Schwäche gebranntmarkt. Die rechten Medien kreierten den Begriff des "Gutmenschen". Was soll das sein? Ein Mensch, der Prinzipien hat, dem das Leid anderer nicht egal ist? Für mich ist das ein positives Wort, denn es zeigt einen Menschen, der Empathie lebt. Manche nutzen die Krücke "Nächstenliebe", ich nenne es lieber Achtsamkeit.

Dieses Zerrbild eines Präsidenten, diese Personifizierung des Tabubruchs ist allerdings nur ein Symptom des ungeremsten Informationszeitalters des Anthropozäns. Dadurch, dass jeder, der auch nur halbwegs eine Tastatur bedienen kann seinen Salmon auf die Welt loslassen darf und damit zigtausende Menschen vergiftet, ist es möglich in Echtzeit auch den verschwurbelsten Müll zu verbreiten. Jetzt könnte man mich falsch verstehen.... Rede- und Meinungsfreiheit gehört zu den Fundamenten unserer Gesellschaft und damit schützenswert!

Natürlich ist mit den gleichen Mitteln auch das Transportieren von Bildung und guten Ideen denkbar, allerdings greift hier der Mechanismus der Filterblasen. Teils gesteuert durch Algorhythmen, teils durch die Nutzer selbst. Das bedingt den Verlust der Kommunikationskultur. Hier müsste nun die Bildung und Erzeihung ihren Job machen und Medienkompetenz vermitteln. Leider passiert das noch nicht einmal rudimentär.

Zurück zur Wahl in Amerika. Die Abwahl von Trump ändert nur wenig, denn der Trumpismus ist in der Welt, zeigt den nicht bewältigten Rassismus, die mangelnde politische Bildung. Viel Arbeit für die Gesellschaft. Auch bei uns macht sich diese Bauchgefühlkultur bemerkbar in der Querdenker-Bewegung. Leute! Unerträglich was dort vorgebracht wird. Eine der Negativhöhepunkte war der kürzliche Sophie Scholl Vergleich, der veranschaulicht, das Menschen denen es gut geht Dinge beschreiben, die sie noch nicht einmal im Ansatz selber erfahren mussten.

Natürlich habe auch ich noch keine Diktatur durchleben müssen, allerdings habe ich mich schon immer politisch interessiert, viel gelesen und / oder von Menschen erzählt bekommen, die das alles aus eigener Erfahrung kannten. In meiner langjährigen Tätigkeit im psychiatrischen Bereich bin ich auch Menschen mit Kriegstraumata begegnet. Das ist schlimm.

Trotzdem möchte ich die Hoffnung nicht aufgeben, dass mittelfristig die Vernunft siegt und immer mehr Menschen den Naturschutz, Humanismus und ein gutes Miteinander wichtig und schützenswert finden.